Ein sehr emotionales, aber auch ungemein hoffnungsfrohes Konzert fand am Samstag in Tauberbischofsheim statt: Der Musikverein Schweinberg spielte für den elfjährigen Bennett, der an einem seltenen Gendefekt erkrankt ist.
Tauberbischofsheim leuchtete für Bennett
Tauberbischofsheim. Es war ein Abend, der allen, die dabei waren, noch lange in Erinnerung bleiben wird. Über 50 Mitglieder des Musikvereins Schweinberg zeigten bei ihrem Benefizkonzert unter der Leitung von Luk Murphy ihr großes Können.
Die Atmosphäre in der wunderschön beleuchteten Bonifatiuskirche verzauberte vom ersten Augenblick an. Die Solidarität von Publikum und Musikern mit der Familie, um die es an diesem Abend ging, war spürbar: Der elfjährige Bennett Klaus, dessen Mutter Carmen aus Tauberbischofsheim stammt, ist an einem seltenen Gendefekt, der 1q21.1 Mikroduplikation, erkrankt.
Den feierlichen Auftakt des grandiosen Konzerts, das von Maren Greß moderiert wurde, bildete der „Festmarsch Nr. 1“ von Richard Strauss, bei dem Kinder mit Fackeln in die nur spärlich beleuchtete Kirche einzogen. Ein wunderschönes Bild. Danach folgte „Preludio Sinfonico“ von Giacomo Puccini, bei dem das Orchester seine klangliche Bandbreite eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mit „Share my Yoke“ von Ivor Bosanko erklang ein ruhiges und tief berührendes Werk, das im Kirchenraum eine besonders nachdenkliche Stimmung entstehen ließ. Auch „Salut d‘amour“ von Edward Elgar – in einem Arrangement von Dirigent Luk Murphy – überzeugte durch seine gefühlvolle Interpretation.

Jutta Biller begeisterte mit Ihrer Stimme
Zu zwei besonderen Höhepunkten des Abends gerieten die Auftritte von Sängerin Jutta Biller. Mit ihrer wunderbaren Stimme interpretierte sie „Send in the Clowns“ aus dem Musical „A Little Light Music“ von Stephen Sondheim und berührte damit wohl jeden einzelnen Zuhörer. Auch das Stück „Invincible“ hätte man sich am liebsten gleich noch einmal angehört.
Mit „Nimrod“ aus den „Enigma Variationen“ von Edward Elgar bot das Konzert ein weiteres emotionales Highlight. Für das kraftvolle, mitreißende Werk „On Fire“ von Michael Geisler erstrahlte die Kirche passend in Feuerrot. Nach Hans Zimmers „Chevaliers de Sangreal“ aus dem Thriller „The Da Vinci Code“ gab es in der Kirche kein Halten mehr: Das Publikum spendete minutenlangen stehenden Applaus – auch für Clara Murphy und Kevin Nied als Solisten an Klarinette und Euphonium. Für die beiden Zugaben, „River flows in you“ von Yiruma und „The Power of love“, gab es erneut Standing Ovations.
Tolle Geschenke für den kleinen VFB-Fan
Die gebürtige Tauberbischofsheimerin Carmen Klaus, geborene Braun, die wie ihr Sohn in der Bonifatiuskirche getauft worden war, erzählte aus Bennetts Leben – wie die Familie gemeinsam kämpft und nichts unversucht lässt. Dabei sprach sie auch das Thema der „unsichtbaren Behinderungen“ an – Bennett wirkte an diesem Abend in seinem leuchtend orangefarbenen Anorak tatsächlich wie ein ganz normaler Junge und freute sich riesig über die Geschenke, die ihm der Musikverein Schweinberg machte: Als VfB-Stuttgart-Fan bekam er ein Trikot mit den Unterschriften der Mannschaft sowie einen Gutschein für ein VfB-Spiel mit Plätzen direkt am Spielfeldrand.
Die Forschung kann am 31. März beginnen
Sichtlich bewegt verkündete Bennetts Mutter die schöne Botschaft: Dank einer überwältigenden Spendenwelle sind die ersten 50 Prozent der Forschungskosten in Höhe von rund 180.000 Euro fast geschafft – allein an diesem Abend kamen über 5.000 Euro an Spenden zusammen. „Es geht jetzt wirklich los!“, rief sie den Gästen zu. Am 31. März hat Bennett seinen Termin zur Blutentnahme in Wales. Dort wird aus seinen Stammzellen ein „Mini-Gehirn“ gezüchtet, um gezielt nach Medikamenten zu suchen und Bennett das Dasein als „menschliches Versuchskaninchen“ zu ersparen. Inspiriert von Erfolgen der Berliner Charité, wo der Wirkstoff von Viagra Kindern mit dem Leigh-Syndrom half, wird außerdem nun auch für Bennett geprüft, welche bereits zugelassenen Medikamente wie zum Beispiel aus der Alzheimer-Forschung seine schweren Symptome lindern können.
„Der Abend hat unsere Erwartungen übertroffen – nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch das Menschliche betreffend. Soviel Empathie, Selbstlosigkeit und echtes Interesse haben wir bislang selten erfahren. Luk Murphy und seine Truppe sind ganz besondere Menschen. Aber auch die Großzügigkeit des Publikums und die vielen herzlichen Worte haben uns sehr berührt“, sagten Carmen und Jan Klaus nach dem Konzert.
Dieses ganz besondere Benefizkonzert ging aber auch an dem musikalischen Leiter und Dirigent des Musikvereins Schweinberg, Luk Murphy, nicht spurlos vorüber: „Das war heute das schönste Konzert meiner über 65-jährigen musikalischen Laufbahn. Was gibt es Schöneres, als jemand Anderem zu helfen?“, sagte er sichtlich bewegt.
Um die aufwendigen Tests am Mini-Gehirn und die Suche nach dem rettenden Wirkstoff zu ermöglichen, ist die Familie weiterhin auf Spenden angewiesen. Spenden kann man hier: Bundesstiftung Kinderhospiz, IBAN DE96 4625 0049 0000 0550 04, Kennwort „Forschung Gendefekt Bennett“, oder hier: https://www.gofundme.com/
© Fränkische Nachrichten | 16.03.2026



























